permalink

off

BDB CAMP BERLIN.2011

BERLIN.2010

TwoFace Berlin – Eine schizophrene Stadt?
Nachdem im letzten Jahr unser Pilotprojekt „BDB Camp“ erfolgreich startete, war es keine Frage: das muss wiederholt werden!

Beim Baumeistertag im Juni stellten die Bundesstudentensprecher den Antrag, das Camp mit einem eigenen jährlichen Budget im Bundeshaushalt zu versehen. Einstimmig und ohne Diskussion wurde dieser Antrag angenommen zur Freude aller. Da dieser Antrag aber erst ab dem Haushalt 2012 greift, blieb die Frage spannend, was machen wir in diesem Jahr?

Sicher war, dass das Camp ohne Unterbrechung weitergeführt werden sollte. Konkrete Pläne und das Ziel waren schon ausgearbeitet, nur die Finanzierung wackelte noch. Motiviert von der eindeutig positiven Annahme des Antrages warb der Bundesstudentensprecher Christoph Edler in der Mitgliederversammlung am Baumeistertag spontan um Spenden für die Durchführung des diesjährigen Camps.

Unser Engagement einen überregionalen Treffpunkt im BDB zu etablieren, sprich ein junges Netzwerk aufzubauen und somit auch Bezirksgruppen und Landesverbänden, die keine eigenen Studentensprecher haben, ihren studentischen Mitgliedern die Möglichkeit zu bieten den BDB zu „nutzen“ wurde mit freudigen Spendenzusagen der Bezirksgruppen Darmstadt, Frankfurt, Koblenz und München, sowie der Landesverbände Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz belohnt und gefördert. Innerhalb weniger Minuten war die Finanzierung gesichert und so konnte das zweite BDB Camp vom 01.-04. September 2011 in Berlin mit abwechslungsreichem Programm stattfinden.
Untergebracht in Kreuzberg unweit des Jüdischen Museums reisten die Teilnehmer aus ganz Deutschland am Donnerstag an und wir starteten das Camp nach einer kurzen Kennenlernrunde mit einem gemütlichen Grillabend. Um die typischen Berliner Cafés & Kneipen und die bunte Vielfalt Kreuzbergs kennenzulernen, beendeten wir den ersten Abend mit einem kleinen Streifzug durch unseren Kiez.


Am Freitagmorgen versammelten wir uns als Einstieg in unser Thema zu einem Fachvortrag über das „zweiseitige“ Berlin mit dem Titel „Die Entwicklung und Geschichte Berlins von 1700 bis heute“ von Herrn Dipl. Ing. André Deschan, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. –Ing. Wolfgang Schäche an der Beuth Hochschule Berlin.

Das Thema der Gegensätze zog sich auch durch unsere Besichtigungen innerhalb Berlins:

Visionen für das zerstörte Berlin
Im Hansaviertel am Tierpark bekamen wir vom stellvertretenden Landesvorsitzenden Berlins, Dipl.-Ing. Peter Grosch, eine interessante Führung über das Geländer der InterBau 1957. Angefangen bei der Hansabibliothek mit ihren versenkbaren Fensterfronten, weiter zu den Einzelgebäuden, funktional gegliederte Hoch- und Einfamilienhäuser namhafter internationaler Architekten, bis hin zur Akademie der Künste  - alles im Zeichen einer Neugestaltung von Wohn- und Lebensformen, die der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft insgesamt ein neues Gesicht verleihen sollte.

Als Konträr dazu folgte eine Führung in und über den Dächern der Karl-Marx-Allee, ehemals Stalinallee. Als „erste sozialistische Straße“ auf deutschem Boden war sie mit der monumentalsten Straßenbebauung des 20. Jh. in Deutschland lange Zeit für den Westen Objekt heftiger Kritik und Gegenreaktionen. In den 50er Jahren entstand der 2,3 km lange Boulevard durch die engagierte Mithilfe der Bevölkerung im Rahmen des Nationalen Aufbauprogramms der DDR im stalinistisch-neoklassizistischen Stil. Als Arbeiterpaläste konzipiert sollte die sieben bis neungeschossige Bebauung und bis zu 300 Meter langen Baublöcke die Stärke und Ingenieurskunst der DDR repräsentativ darstellen.

Mit dem Hintergrund des Vergleichs „Großtafelbauweise in einer Großsiedlung Ost und West“ machten wir uns nach einer verspäteten Mittagspause noch auf Richtung Stadtrandlage Ost-Berlin. Eines der größten Bauvorhaben der ehemaligen DDR stand auf dem Programm: die Großwohnsiedlung Marzahn, die Ender der 80‘er Jahre fertig gestellt wurde und nach Abschluss des Bauvorhabens einen neuen eigenen Stadtbezirk bildete.

Den Vergleich zur Großtafelbauweise in einer West-Großsiedlung wollten wir am Märkischen Viertel ziehen, wofür uns allerdings die Zeit und Kraft fehlte. Deshalb ließen wir den Abend gemütlich in Kleingruppen ausklingen.

Geisterbahnhöfe und der vergessenen Tunnel
Samstag ging es für manche viel zu früh los, doch es stand ein überaus interessanter Akt an: eine Führung der Berliner Unterwelten e.V. „Auf den Spuren der U-Bahnlinie D“. Es folgte die hautnahe Erkundung der wechselvollen Geschichte der U-Bahnlinie D von der Planungszeit, dem Bau, den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, der Zeit als Geisterlinie im geteilten Berlin bis zur heutigen U8. Am Moritzplatz besichtigten wir den unter der Station befindlichen „Geisterbahnhof Oranienplatz“, einen bereits vor dem Ersten Weltkrieg erbauten Umsteigebahnhof bzw. Bahnhofsrohbau – eine Bauleistung, die nie in Betrieb ging und zu einem Schutzraum umfunktioniert wurde. Den anschließende Mutter- und Kind-Bunker, der in den Jahren 1940/41 durch den „Baustab Wilhelmi“ des „Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt“ in den U-Bahntunnel eingebaut wurde, mussten wir abenteuerlich mit Gummistiefeln erkunden,  da in der Anlage das Sickerwasser etwa 40 cm hoch steht. Uns erwartete ein fast unberührter Bunker, eine einmalige unterirdische Atmosphäre, und vor allem konnten wir hier unten das letzte im Untergrund erhalten gebliebene Stück Berliner Mauer persönlich in Augenschein nehmen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause in der Umgebung des architektonisch auffälligen „Bierpinsels“ ging es zum nächsten hautnahen Erlebnis. Der ehemalige Studentensprecher Brandenburgs,Daniel Bensch, führte uns auf und über die Großbaustelle des Einkaufsquartiers „Boulevard Berlin“ im Stadtteil Steglitz, wo er als Bauleiter bei der BAM Deutschland arbeitet. Auf dem Areal der ehemaligen Warenhäuser Karstadt und Wertheim entsteht in der Mitte der Schlossstraße eines der größten Einkaufscenter der Hauptstadt in zwei Bauabschnitten. Bereits im April 2009 eröffnete das neue Karstadt-Warenhaus mit ca. 24.000 m² Gesamtmietfläche, welches den ersten Bauabschnitt bildet. Der zweite Bauabschnitt wird bis Anfang 2012 fertiggestellt und sieht die denkmalgerechte Sanierung der Wertheim-Fassade vor.

Die langen Wege der Großstadt unterschätzt ging es im Sauseschritt – zum Glück mit kurzer Verstärkung einer typisch Berliner Mahlzeit (Currywurst o.ä.) – zu unserem letzten offiziellen Tagespunkt: den 1936-41 entstandenen Zentralflughafen Tempelhof. Von der Größe und Monumentalität beeindruckt besichtigten wir die Gebäude, Hallen, Frei- und Dachflächen sowie die Keller und Bunker des am 30. Oktober 2008 endgültig geschlossenen traditionsreichen Berliner Flughafens. Das Gebäude ersetzte eine nur wenige Jahre alte Anlage, dessen Flugfeld 1923 eröffnet worden war. Mit dem größten Bürohaus Europas (dem ehem. Luftfahrtministerium) und dem größten Gebäude des Kontinents müsste der Architekt Ernst Sagebiel gleich zweimal im Guinnessbuch der Rekorde vertreten sein.

Die 100 Meter lange Abfertigungshalle ist die Symmetrieachse der Gesamtanlage und führt zur 400 Meter langen, stützenfrei überdachten Flugsteighalle. Zu beiden Seiten schließen sich unmittelbar die Hangars an, so dass sich ein insgesamt 1200 Meter langer geschwungener Baukörper ergibt.

1975 für den öffentlichen Flugverkehr geschlossen wurde Tempelhof 1985 für den Geschäftsreiseverkehr und für Fluggesellschaften mit kleinerem Flugmaterial wieder für den Zivilverkehr eröffnet. 1990 konnten schon wieder mehr als 400.000 Fluggäste gezählt werden. 1993 übergab die US Air Force den Flughafen an die Berliner Flughafengesellschaft. Mit dem Ende des Flugbetriebs in Tempelhof erhält Berlin eine große innerstädtische Freifläche und eines der größten Gebäude der Welt in zentraler Lage zurück, über dessen Umnutzung auch wir uns kurt Gedanken machten.

Mit einem gemeinsamen Abendessen am Ufer der Spree startete für uns der letzte Abend in der Hauptstadt, den wir wieder in Kleingruppen aus nächtlicher Sicht erkundeten.

Nach dem Frühstück am Sonntagmorgen trafen wir uns zum Abschied in einer Abschlussrunde zum Resümieren und Feed backen. Einige eindrückliche und ermunternde Kommentare können Sie am Ende dieses Artikels nachlesen.

Die ersten verabschiedeten sich auf die teilweise lange Rückfahrt, doch ein großer Teil der Gruppe zog für die letzten Stunden noch einmal gemeinsam los. So bekamen wir durch eine Teilnehmerin spontan noch eine kleine Führung auf der Museumsinsel. Doch nach und nach schrumpfte auch diese Gruppe und ein ereignisreiches Wochenende neigte sich endgültig dem Ende zu: mit platten Füßen und unvergesslichen Erlebnissen endete das 2. BDB CAMP.

An dieser Stelle möchten wir uns bei unseren zwei Ortsansässigen Christian Radland, Landesstudentensprecher Berlin, und Marianne LeGans, Geschäftsführerin des BDB und gute Seele für uns „Jungen“, bedanken. Ohne das starke Engagement beider wäre das diesjährige Camp nicht zustande gekommen. Weiter gilt aber auch Dank an unserer Sponsoren aus den erwähnten Landesverbänden und Bezirksgruppen des BDB, mit dessen finanziellen Hilfen der Grundstein für diese Veranstaltung geebnet wurde. Vielen Dank auch an alle Teilnehmenden –  wieder eine super Gemeinschaft mit neu geknüpften Kontakten, interessanten Gesprächen und wichtigem Erfahrungsaustausch über Studium, Hochschule und Berufsleben.

In diesem Sinne warten wir schon alle voller Vorfreude auf das dritte Camp im kommenden Jahr 2012!

Die BDB-Studentensprecher

 

Feedback der Teilnehmenden:

  • gelungene Sache, gutes Programm, interessante Vorträge; Programmpunkte, die man sonst als Tourist nicht mitbekommt, also nicht die reinen Klassiker; Berlin mal anders
  • „Hätte sogar noch mehr Programm sein können, trotz der platten Füßen“
  • zu den Objekten: fachlich qualifizierte Vorträge, Berliner Unterwelten  sehr detailliert, Tempelhof sehr beeindruckend
  • Führungen von BDB-eigenen Leuten à Verbundenheit und besonderes Engagement spürbar
  • die Baustellenbesichtigung war top! Sehr ansprechend besonders für die Bauingenieure
  • auch für Fachfremde klar strukturiert (Stadtgeschichte)à Orientierungspunkte durch Vortrag gut vermittelt bekommen, roter Faden;
  • nette Leute kennen gelernt, viele neue und unbekannte Gesichter, mehr Teilnehmer als letztes Jahr und auch mehr BDB-Mitglieder
  • „BDB kann begeistern“
  • „Dankbar, dabei gewesen zu sein“
  • „Vielen Dank für die Gelegenheit und Möglichkeit“
  • „Gespannt aufs nächste Jahr“
  • „Nicht langweilig. Auch als Fachfremder möchte ich das nächste Mal wieder dabei sein.“
  • „Würdiger Nachfolger vom letzten Camp. Das war zwar schwer zu toppen, habt ihr aber geschafft. Möchte mich jetzt schon fürs nächste Camp anmelden. Da geht die Sause!“
  • Tolles, Programm, tolle Leute!

Den Abschlussbericht gibt es übrigens auch als PDF – BDB_CAMP_Bericht_2011.

Delia Moritz

Autor: Delia Moritz

Hallo, ich bin Delia und stellv. Bundesstudentensprecherin sowie Landesstudentensprecherin von Rheinland-Pfalz.

Kommentare sind geschlossen.